Faktenblatt: 05) Rote Listen gefährderter Arten

Rote Listen gefährderter Arten

Von mehr als 10’000 bewerteten Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz gelten rund 36% als gefährdet. Bei den Tieren gelten Reptilien und Amphibien als besonders bedroht.

36% der Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz müssen als gefährdet eingestuft werden. Bei den Wirbeltieren gelten Reptilien, Amphibien und Fische als besonders bedroht. Bei den Brutvögeln sind bei uns 40 der 171 beurteilten Arten auf der Roten Liste aufgeführt; bei diesen 40 Arten ist ein deutlicher Rückgang in der Beobachtungsperiode 1990 bis 2011 festzustellen.

Rote Listen:

Die Gefährdungssituation der Tiere und Pflanzen in der Schweiz wird in der folgenden Publikation des Bundesamtes für Umwelt beschrieben:
Cordillot F., Klaus G. 2011: Gefährdete Arten in der Schweiz. Synthese Rote Listen, Stand 2010. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Zustand Nr. 1120: 111 S.

Die folgenden Graphiken und Legenden sind aussagekräftig und erfordern keine weiteren Erklärungen.

Abbildung: Anteil der gefährdeten Pflanzen-, Tier- und Pilzarten in der Schweiz:
Stand 2010. Von den 10’350 bewerteten Arten gelten rund 36 Prozent als gefährdet (Kategorien RE, CR, EN, VU).

Abbildung: Anteil seltener Arten pro Organismengruppe:
Selten = kleine Bestände und/oder kleines fragmentiertes Verbreitungsgebiet.
Gefährdet = nur CR, EN, VU. Nur Organismengruppen mit IUCN-Kriterien, d.h. Rote Listen ab 2001.
Der Anteil der sogenannten seltenen Arten an allen evaluierten Arten beträgt 19 Prozent (1631 von 8418 Arten mit IUCN-Kriterien). Er variiert stark zwischen den einzelnen Organismengruppen. Am meisten seltene Arten, die zugleich gefährdet sind, weisen die Reptilien auf.

Abbildung: Brutvogelbestände:
Bestandsveränderungen der Schweizer Brutvogelarten

Die Schweiz hat sich zusammen mit anderen europäischen Staaten das Ziel gesetzt, den Rückgang der Biodiversität zu stoppen. Vögel gelten als aussagekräftige Gradmesser für den Umgang des Menschen mit der Natur. Ein Brutvogelindikator eignet sich daher zur Illustration der Biodiversitätsentwicklung in der Schweiz.

Für die Gesamtheit der in der Schweiz regelmässig brütenden Vogelarten ist der Trend über die letzten zwanzig Jahre leicht positiv. Diese Beobachtungen beziehen sich auf die Gesamtheit der 171 beurteilbaren (von 174) regelmässig in der Schweiz brütenden Vogelarten. Die Entwicklung der 40 gefährdeten Arten der Roten Liste (ohne die Arten, die immer selten waren) zeigt starke Schwankungen. Über den ganzen Zeitraum beobachtet, deutet die Entwicklung auf eine Abnahme hin.

Biodiversität:

Warum wurden die Ziele nicht erreicht?
Quelle: BFS

Wenn Biodiversität aber so wichtig ist, warum wurden die Ziele dann nicht erreicht?
Es gibt dafür eine Reihe von Erklärungen:

  • Die Gefährdungsursachen wurden nicht beseitigt, sondern sind nach wie vor wirksam. Neue Gefährdungsfaktoren wie der Klimawandel und gebietsfremde invasive Arten sind dazugekommen.
  • Weil der Verlust an Biodiversität schleichend ist und die Natur- und Artenkenntnisse in der Bevölkerung gering sind, werden Verluste gar nicht wahrgenommen und deshalb auch nicht als Problem erkannt.
  • Die Menschen gewöhnen sich rasch an einen schlechten Zustand – und finden ihn mit der Zeit gar nicht mehr so schlecht.
  • Die Artenschützer wissen genau, was getan werden müsste, um die Artenvielfalt zu erhalten. Es fehlt aber an Bewusstsein, Geld, Land und politischen Willen.
  • Die Erhaltung und Förderung der Biodiversität wird noch immer als Anliegen und Aufgabe des Naturschutzes gesehen, obwohl eigentlich Aufgabe der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen. Andere biodiversitätsrelevante Akteure nehmen ihre Verantwortung nur zögerlich wahr.

JVO, 04/14