Faktenblatt: 12) Artenvielfalt

Artenvielfalt

Gemäss dem „Living Planet Index“ ging die Vielfalt der Wirbeltiere von 1970 bis 2000 um insgesamt 40 Prozent zurück.

Das Aussterben von Arten ist ein langsamer, natürlicher Prozess. Heute aber rottet der Mensch mit der Gesamtheit seiner Aktivitäten Tier- und Pflanzenarten aus. Dieser Vorgang ist um ein Vielfaches schneller als natürliche biologische Prozesse. Der „Living Planet Index“ beschreibt diese Entwicklung.

Aussterben versus Ausrottung von Arten

Quelle: www.stiftung-artenschutz.de/artenschutz/aussterben-vs-ausrotten/

Angesichts vieler Millionen Arten stellt sich die Frage, wie wichtig eine einzelne Art für das Ökosystem ist und ob das Aussterben von Arten tatsächlich dramatische Folgen hat. Der Begriff Aussterben kennzeichnet jedoch nicht das, was Artenschützer und Ökologen als Gefahr betrachten.

Aussterben von Arten

Beim Aussterben handelt es sich um das Verschwinden der gesamten Population einer bestimmten Art ohne menschliches Zutun, verursacht durch sich natürlicherweise wandelnde Umweltbedingungen. Das natürliche „Hintergrund-Aussterben“ beträgt schätzungsweise eine Art pro tausend Jahre. Normalerweise entstehen durch das evolutive Geschehen zugleich neue Arten. Beim so genannten Massenaussterben spielt sich der Prozess in einem geologisch gesehen kurzen Zeitraum (das umfasst Zeiträume von mehreren Zehntausend bis Millionen Jahren) ab und betrifft dann einen hohen Prozentsatz der existierenden Arten. Zuletzt geschah dies vor ca. 65 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit, als die Dinosaurier ausstarben.

Ausrottung von Arten

Die Ausrottung von Arten hat dem gegenüber keine „natürlichen“ Ursachen. Grund hierfür ist der Mensch, sowohl direkt durch übermässige Ausbeutung natürlicher Ressourcen für Nahrung und traditionelle Medizin als auch indirekt durch die Zerstörung von Lebensräumen. Zusammen mit dem illegalen Handel mit Pflanzen und Tieren sind dies einige der Hauptursachen für den „Biozid“. Daneben machen sich im Gefolge des globalen Warenhandels die Verschleppung von Invasionsarten und Krankheitskeimen und die Auswirkungen der Klimaveränderungen verstärkt bemerkbar.

Die Ausrottung in den letzten 200 – 300 Jahren liegt nach Einschätzungen von Experten bereits um das 100- bis 1000-fache über der „Hintergrund-Aussterberate“. Jede dritte Amphibienart und fast die Hälfte der Schildkrötenarten sind gefährdet sowie jede achte Vogelart und ein Viertel der Säugetierarten – und der Umfang der Roten Liste nimmt immer schneller zu. Dabei beinhaltet diese Aufstellung nur die untersuchten Tier- und Pflanzenarten, so dass wegen der noch nicht erfassten Arten das wahre Ausmass der Gefährdung deutlich höher eingeschätzt werden muss.

Durch gezielte Schutzmaßnahmen kann dieser Entwicklung jedoch Einhalt geboten werden. Die rasante Populationsabnahme der nur in Vietnam vorkommenden Goldkopflanguren konnte gestoppt werden. Die Ausrottung dieser Primatenart ist (vorerst zumindest) in letzter Minute verhindert worden.

Was die Ausrottung anrichten kann, das beschreibt Edward Osborne Wilson (* 10. Juni1929 in BirminghamAlabamaUS-amerikanischerInsektenkundler und Biologe), recht plastisch:

If all mankind were to disappear, the world would regenerate back to the rich state of equilibrium that existed ten thousand years ago. If insects were to vanish, the environment would collapse into chaos.

(Wenn alle Menschen von der Erde verschwänden, würde sie sich wieder in den artenreichen Gleichgewichtszustand entwickeln, in dem sie sich vor zehntausend Jahren befand. Würden aber die Insekten von der Welt verschwinden, stürzte die ganze Umwelt ins Chaos).

Die Diskussion um das weit verbreitete Sterben von Bienenvölkern zeigt, wie wir jetzt schon beunruhigt werden können.

Biologische Vielfalt

Die Entwicklung der Vielfalt der Arten kann aber auch beschrieben werden, bevor sie ausgerottet sind:

Der Verlust an Vielfalt 1970 – 2000

Abbildung aus: Millennium Ecosystem Assessment, Biodiversity Synthesis, Übersetzung durch Verfasser Homepage.

Der Living Planet Index ist eines der möglichen Arten, den Rückgang der biologischen Vielfalt zu messen: Er zeigt den Rückgang von Populationen der Wirbeltiere:

Vom Basisjahr 1970 bis 2000 ging demnach die Vielfalt der Wirbeltiere gemäss Living Planet Index insgesamt um 40 Prozent zurück.